Über Bauchgefühle und das Leben

Day 221/365 ~ Things are Changing

Life is what happens to you while you are busy making other plans

– John Lennon

Wie wahr dieser Satz doch ist, stelle ich immer wieder aufs Neue fest. Pläne hat wohl jeder, der seine eigene Existenz noch nicht ganz aufgegeben hat. Egal, ob man sie nun als Träumerei oder als pure Ambition auslebt. In meinem Fall sowohl als auch. Gestern habe ich mich noch auf meinen vermeintlichen Traumjob beworben und mit einer Absage gerechnet und heute lag schon der Vertrag im Kasten. Naja, zumindest so ähnlich. Da sitze ich nun gelangweilt auf der Arbeit, mit dem großen Willen und dem Wunsch nach Veränderung und sobald ich diesen Wunsch in Form eines Vertrages in der Hand halte, bin ich mir schon gar nicht mehr so sicher, ob es wirklich das ist, was ich machen will. Früher hatte ich ganz andere Pläne, aber das Leben kam mir dazwischen.

Natürlich war ich begeistert nachdem ich aus dem Jobinterview kam, natürlich hat sich mein Interesse vergrößert nachdem ich einige Stunden zum schnuppern dort verbracht habe und ja, natürlich hatte einen Egoboost nachdem ich ein Vetragsangebot erhalten habe.

Warum also, sitze ich dann zu Hause und grüble Stunden vor mich her, mit dem Vertrag in der Hand und erstelle pro und contra Listen? Warum also, ist meine Unsicherheit nach meiner heutigen Kündigung noch viel größer, als ich es mir je hätte vorstellen können? Ist der Mensch dazu ausgelegt, Angst vor allem Neuen zu spüren? Ist dies einfach unser natürlicher Schutzmechanismus?

Ich hatte den Plan mich aus meiner Branche zu verabschieden. Personal. Wie langweilig. Wie spießig. Marketing und Werbung, das ist was ich will, oder? Was hat mich dazu bewogen, zu denken das ich das möchte? Eigentlich will ich doch lieber im Bereich Musik tätig werden. Was ist, wenn ich dort unglücklicher bin als in meinem aktuellen, langweiligen Job? Was ist, wenn dort alles anders ist, als ich es mir vorstelle?

Diese und weitere Fragen stelle ich mir nun seit einer Woche. Am Anfang war es eine Träumerei, danach eine Ambition und nun ist es die Realität. Ich bin ein Kopfmensch. Das hat mir in den letzten Jahren in diversen Lebensbereichen immensen Kummer erspart, warum also jetzt die mir so wichtige Sicherheit aufgeben?

Oft ist es eine innere Unruhe, die uns zu Entscheidungen bewegt, die üblicherweise untypisch für uns sind. Doch die Spurensuche, um dieser Unruhe auf den Grund zu kommen, scheint oftmals schwieriger als wir denken. Nun sitze ich also erneut auf meiner Couch und verbringe schlaflose Nächte und das alles wegen einer Chance, von der andere mir sagen, wie glücklich über diese sein müsste. Glück. Noch so eine komische Sache. Ist es wirklich Glück oder das Schicksal, dass mir ausgerechnet jetzt diese Tür öffnet, die meine Zukunft bedeutet? Häufig erwarte ich von meinem Schicksal ein Zeichen für gewisse Sachen oder Handlungen. Häufig erkenne ich dieses nicht, weil ich es vielleicht nicht sehen will oder es einfach kein Zeichen gibt. Aber was will mir mein Schicksal sagen, wenn ich mir vor dem Jobinterview  denke „wenn das Schicksal es so will, bekomme ich diesen Job“.

Ist es der Sprung ins Ungewisse? Wird mein Mut herausgefordert? Oder gibt es etwa kein Schicksal und habe diese Chance allein aufgrund meiner guten Voraussetzungen und meiner überzeugenden Persönlichkeit erhalten?

Die meisten werden sich denken, warum das so eine große Sache ist und das ich mich doch einfach freuen soll, eine solche Gelegenheit erhalten zu haben. Für mich jedoch ist es eine große Sache. Mich plagen Ängste. Ängste die ich Dir von Angesicht zu Angesicht niemals eröffnen würde. Ich habe Angst vorm Versagen, ich habe Angst etwas zu bereuen und ich habe Angst von vorn zu Beginnen, bei einem wichtigen Schritt Richtung Zukunft. Für Dich wirke ich tough. Ich möchte schließlich das Du das von mir denkst. Doch sobald Du nicht mehr da bist, bin ich nicht mehr tough. Ich bin Gedankenverloren und tue mich schwer Entscheidungen zu treffen, ich höre auf meinen Kopf, was in dem Moment klüger scheint und nicht was meinem eigentlichen Bedürfnis entspricht.

Ich bin ein Kopfmensch. Dieses mal höre ich auf mein Bauchgefühl.

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