Feminism, for fuck’s sake!

Feminism isn’t about making women stronger. Women are already strong. It’s about changing the way the world perceives that strength.

– G.D Anderson

Feminismus. Ein Wort, dass mit soviel Negativität behaftet ist. Um genau zu sein, ein Wort, oder viel mehr eine Thematik, die mich seit geraumer Zeit beschäftigt und das lange bevor uns Beyoncé mit „flawless“ die atemberaubende Chimamanda Ngozi Adichie vorstellte und Emma Watson uns mit „HeForShe“ auf diese (leider) immer noch vorhandene Problematik aufmerksam machte: Gleichberechtigung.

Zugegeben, bis vor nicht all zu langer Zeit habe ich selbst nie zu den Frauen gehört, die sich eine Feministin nennen. Um noch genauer zu sein, hatte ich all die Gedanken, die wahrscheinlich heute noch die Mehrheit der Menschen über Feministinnen haben. Sie sind man-hater, laufen mit unrasierten Achseln und Birkenstocks rum. Fakt ist, ich bin eine Feministin. Fakt ist auch, Ich hasse weder Männer, noch trage ich Birkenstock. Vor einigen Monaten befasste ich mich dann mehr aus Langeweile heraus mit dem Global Gender Gap Report und da das Interesse am modernen Feminismus aktuell so thematisiert wird wie seit gefühlten 20 Jahren nicht mehr, habe auch nun ich das Bedürfnis meine Ansichten über diese Angelegenheit Ausdruck zu verleihen.

Zunächst stellte ich mir die Frage:

Was bedeutet Feminismus für mich?

Da ich ja wie bereits geschildert, ebenfalls zu den Leuten gehörte, die ein starkes Vorurteil in Bezug auf Feminismus hatte, war es nun an der Zeit umzudenken. Ich begann zu grübeln und zu recherchieren und stoß dabei auf einen Artikel der mich schaudern ließ. Natürlich war mir auch bis dato bewusst, das ich in der Welt in der ich leben darf ein Privileg genieße, dass Frauen in manch anderen Ländern nicht zuteil kommt, aber alles noch einmal als geschriebenes Wort zu lesen, beschäftigt mich seither stetig.

Was bedeutet Feminismus also nun für mich? Feminismus ist mehr als die Theorie einer Frauenbewegung, es geht jeden Menschen etwas an, also auch mich. Es bedeutet die soziale, politische und wirtschaftliche Gleichberechtigung von Frauen. Während ich also darüber nachdenke, dass in Saudi-Arabien Frauen das Land nicht ohne Zustimmung ihres Vormundes (!) verlassen dürfen und in Simbabwe Witwen als Hexen verfolgt werden, wird mir erst einmal wieder bewusst wie gut ich es in Deutschland habe und wie viel gleichzeitig doch falsch läuft.

Feminismus bedeutet für mich nicht, dass ich mit nacktem Oberkörper über rote Teppiche laufen muss, um meinen Unmut über die gesellschaftliche Behandlung von Frauen Ausdruck zu verleihen. Medial ausgelebter Feminismus wie der Femen sind meiner Meinung der falsche Ansatz und werden uns in dieser ernsten Sache nicht voran bringen. Ich verstehe nicht viel von Politik, jedoch genug, um mir der Wichtigkeit bewusst zu sein, dass Frauen die selben Privilegien wie Männer genießen dürfen sollten. Sowohl, dass eine Frau aus freiem Willen und ohne einen Vormund fremde Länder bereisen darf, als auch eine gleiche Entlohnung bei gleicher Arbeit. Es gibt so vieles mehr, was ich hier aufzählen könnte.

Neben all diesen politischen und wirtschaftlichen Faktoren begegnet mir selbstverständlich eine gewisse männliche Dominanz und nun ja, eine moderne Form des Patriarchalismus auch im täglichen Leben. Es beginnt damit, dass ich als Frau für gewisse Lebensentscheidungen und Lebensweisen verurteilt werde und endet dort, dass ich in manchen Lebensbereichen eingeschränkte Rechte besitze. Und hier fängt meine Geschichte an:

Schon früh habe ich festgestellt, dass ich bestimmten Normen oder Erwartungen an einem typischen Frauenbild nicht entsprechen kann. Für mich stand ebenfalls schon früh fest, dass ich nicht zu den Frauen gehöre, die bereits als kleines Mädchen von ihrer Traumhochzeit mit Ken träumt und am liebsten fünf Kinder hätte. Ich gehöre zu den Frauen die Wert und den Fokus auf ihre Karriere legen möchten. Dafür werde ich verurteilt. Noch heute scheint es in vielen Köpfen unvorstellbar zu sein, dass es Frauen gibt die nicht von Kind und Kegel träumen und noch viel unvorstellbarer ist für diese Köpfe, dass ich Kinder nicht einmal sonderlich gut leiden kann und dies auch noch offen zugebe. Um sicher zu gehen, dass auch noch jeder mitkommt: Ja, ich sagte, ich kann Kinder nicht sonderlich gut leiden. Ich schäme mich auch gar nicht dafür. Warum sollte ich auch.

Ich werde ebenfalls dafür verurteilt, dass ich lieber ein Glas Whiskey als Prosecco genieße und nicht viel von einer monogamen Lebensweise halte. Schließlich ist es mein Körper und ich entscheide, ob und wem ich exklusiv Rechte dafür erteile. Wenn ich eine ungewollte Schwangerschaft – die aus diversen Gründen entstanden sein kann – unterbinde, ist es ebenso die Macht die ich über meinen eigenen Körper ausübe. Niemand hat das Recht darüber zu urteilen, dass ich über ein Menschenleben entschieden habe. Ich sehe dies als Recht meiner Emanzipation. Ich werde pikiert angeschaut, weil ich mehr fluche als ein Bierkutscher „da sich das für eine Dame nicht gehört“. Und ja, ich höre Musik die viele wohl als frauenverachtend ansehen, jedoch ist das ein schönes Sender-Empfänger-Beispiel. Schließlich kommt es darauf an, wie ich diese Aussagen einstufe und verachtend wird es für mich erst dann, wenn ich mich selbst damit angesprochen fühlen würde.

Emanzipation bedeutet für mich also nicht die Emma lesen und gar niemals BH tragen, da dies ja für Unterdrückung des eigenen Körpers gilt, sondern viel mehr so zu leben, dass ich mich in meiner Haut wohlfühle. Ohne darauf achten zu müssen was Außenstehende von mir denken könnten. Und auch wenn ich Beyoncé nur ungern widerspreche: Nein, ich bin nicht so aufgewacht, es ist verdammt harte Arbeit bis man so aussieht! Und all das mache ich nicht, um einem vermeintlich vorgegebenen Schönheitsideal zu entsprechen, sondern weil es mir fucking Spaß macht.

Feminismus sollte im Übrigen nicht ausschließlich darauf reduziert werden, dass Frauen Rechte erhalten die sie bislang nicht haben. Wir Frauen genießen derzeit in vielerlei Hinsicht Privilegien, die Männer nicht für sich beanspruchen, auch wenn es die meisten wohl möglich nur ungern zugeben würden. So etwa haben Frauen in vielen Bereichen große Vorteile, die in der Geschlechterdebatte oft ungesagt bleiben. Wenn wir zum Beispiel von Sexismus sprechen, erscheint jedem sofort das Bild der in die Opferrolle gedrängten Frau ohne dabei zu bedenken, dass es auch anders rum geht. So muss ein Mann mittlerweile übertrieben geschildert schon eine Anklage wegen sexueller Belästigung befürchten, wenn er einer Frau lediglich die Tür aufhält, da dies ja im Grunde genommen schon „versteckter Sexismus“ bedeutet.

Das Problem in der Geschlechterungleichheit ist meiner Ansicht nach, dass sich Frauen der Bequemlichkeit halber und mangelnden Mutes oft selbst in die Rolle des Opfers manövrieren. Selbiges gilt übrigens auch bei häuslicher Gewalt und vielen anderen Bereichen, in denen man häufig und vorrangig das Bild des bösen Mannes vor Augen hat, jedoch nicht bedenkt, dass all dies auch umgekehrt geschieht.

Die einzige Möglichkeit dieses Ungleichgewicht in die Waage zu bringen ist es also Männer zu sensibilisieren und Frauen aus ihrer Komfort-Zone zu bewegen. Besonders heutzutage in der medialen Welt in der wir uns nun mal alle aufhalten, ist die weibliche Macht über die Gleichstellung von beiden Geschlechtern aufzuklären, unermesslich und besitzt die Fähigkeit mit Vorurteilen aufzuräumen. Es geht nicht um Rache eines Geschlechts, sondern um die Gleichberechtigung von Frau und Mann in jeglicher Hinsicht.

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